2. GRUNDLAGEN DER COMPUTERANIMATION

2.1 Allgemeines:

"Wieviel wissen wir eigentlich darüber, was Lernende tatsächlich sehen, wenn ihnen eine Lehrbuchabbildung, ein Film oder ein Fernsehprogramm vor die Augen kommt? Auf die Antwort kommt alles an, denn wenn ein Schüler nicht sieht, was er sehen soll, so fehlt ihm die Grundlage für alles Lernen."

(Zitat: Rudolf Arnheim, 1972, S.290)

Diese Frage ließe sich für das Lernen mit Texten dank intensiver theoretischer und experimenteller kognitionspsychologischer Bemühungen differenziert beantworten. In starkem Kontrast dazu steht die in der Literatur vielfach beklagte rudimentäre Bildforschung (Drewniak, 1992). Obwohl die Visualisierung in der (pädagogischen) Geschichte frühe Wurzeln besitzt und in der gegenwärtigen multimedialen Entwicklung unverzichtbarer Informationsträger ist, kann die obige Frage, in welcher Art und Weise Bilder kognitiv verarbeitet werden, anhand des aktuellen Forschungsstandes nicht hinreichend beantwortet werden.

Psychologen widmeten sich bisher vor allem elementaren wahrnehmungs- und gedächtnispsychologischen Problemen der Bildverarbeitung. Vor allem der Erinnerungsvorteil bildlicher Darstellungen gegenüber den verbalen Bezeichnungen eines Objektes wurde untersucht. Dieser sogenannte Bildüberlegenheitseffekt gilt als empirisch gesichertes Ergebnis (Engelkamp, 1991).

Etwa 60 Prozent aller Informationen, die aus der Umwelt kommen, nehmen wir durch die Augen auf (Stieve + Wicke, 1990). Gesprochene Worte, musikalische Klänge, Töne, ... bieten sich uns als weitere Informationsquellen an. Aber auch hier betreten wir, analog zur Bildverarbeitung, sobald wir uns von der Semiotik (des gesprochenen Wortes) entfernen und uns dem Informationsgewinn aus Klängen und Tönen zuwenden, wahrnehmungs- und gedächtnispsychologisches Neuland (..., 1998). Damit stehen uns über die, in den letzten Jahren, aufkommende Sonfikation von Informationen noch viel weniger theoretische und empirische Grundlagen zur Verfügung.

Die (multimediale) Computergrafik braucht anwendbare Theorien, Verallgemeinerungen also, die über die einzelnen Implementierungen hinausgehen. Ich unternehme im folgenden den Versuch verschiedene Aspekte aufzuführen, die für die Bildgestaltung wesentlich sind.

Photographie und photographischer Film bilden die Wirklichkeit ab, die Interpretationsfähigkeit dabei ist stark begrenzt. Die Entstehung einer Photographie ist ein kurzer Prozeß, dessen Ergebnis nicht wiederholbar ist.

In der Malerei ist die Abbildung der Realität nur begrenzt möglich. Für die Interpretations-möglichkeit der Wirklichkeit hingegen und die Vermittlung von Gefühlen ist sie das geeignete Mittel ebenso für die Verbildlichung von Vorstellungen aber auch von Reduktionen. Der Enstehungsprozeß erstreckt sich über einen längeren Zeitraum und ist ebenso wie das Ergebnis nicht wiederholbar.

Die Computergraphik ist eine Symbiose aus Photographie und Malerei. Sie verbindet die Vorteile beider Abbildungsverfahren. Ihre besondere Stärke, die ihre wissenschaftliche Relevanz gewährleistet, ist die Wiederholbarkeit von Entstehung und Ergebnis.

Für die Gestaltung einer Computergraphik gelten die grundlegenden Regeln der bildenden Kunst. Um eine Computeranimation oder eine –grafik zu erstellen sind eine Reihe von Fähigkeiten notwendig: themenspezifisches Wissen, das Beherrschen der Bild- und Filmsprache sowie . technische und praktische Erfahrung.

Um die Bildsprache zu beherrschen ist es natürlich notwendig die Grundlagen der visuellen Wahrnehmung zu kennen.

Abbidung 1: notwendige Fähigkeiten für die Erstellung eines Films